Arschkick-Nacht mit logischen Siegern

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Henrik Belden schrieb 2008 den besten Luzerner Song, Heidi Happy machte die beste Platte – so das Ergebnis der gestrigen Kick-Ass-Award-Verleihung. Fast genauso wichtig aber: Knobel kocht besser als Heidi Happy, das Rockstar-Magazine ist so schlecht wie sein Ruf und Stapi Urs W. Studer träumt vom Rockstar-Dasein – doch schön der Reihe nach.

Von Jonas Wydler (in Bild, Schrift und bewegten Bildern)

Es war ein dreistündiger und fast immer kurzweiliger Moderations- und Preisverleihungsmarathon in der Schüür. Beginnen wir mit dem Schluss:

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Henrik Belden durfte auf die Bühne steigen und den begehrtesten Preis der Luzerner Musikhochburg entgegennehmen – den Kick-Ass-Award für den Song des Jahres, verliehen vom Radio 3fach. Er beerbt damit Mothers Pride (Sieger 2007), und als Preis winkt ihm ebenfalls eine Videoproduktion. Dem Applaus und den sichtlich ehrlich gemeinten unzähligen Glückwünschen im Anschluss zu schliessen, hat Belden den Award verdient. Und ja, es ist wohl die logische Folge, hatte Henrik Belden Plattenverkäufe, Presse und nationale Airplays wie kaum jemand in der Zentralschweiz.

«Niemals hätte er damit gerechnet», sagte Belden (Wirklich nicht?). Angesichts dessen, dass er nicht mit einer Rocknummer gewann, trifft dies wohl zu. Auf einer notdürftig verkabelten Gitarre gab er schliesslich den Sieger-Song «I Will Come Back Someday» mit Nicole Kammermann zum Besten – die Schüür war gerührt.

Die zweitwichtigste Trophäe, die für das beste Album, ging verdientermassen an Heidi Happy (vor Kunz & Knobel) für «Flowers, Birds and Home». Zuvor zog sie gegen selbigen Knobel aber in einer aussermusikalischen Angelegenheit den Kürzeren: Im Wettkochen. Testesser Urs W. Studer war von seinem Potpourri angetan und gab ihm die glänzende Note 4.75. Und der Gassenhauer-Award (für die meisten Votings auf 3fach.ch) ging an Emm & Steven Egal, überreicht durch Stapi Studer, dessen Wunsch es sei, selber mal eine 3fach-Trophäe zu gewinnen.

Sowieso gab es noch ein paar denkwürdige Auszeichnungen mehr. So den Toro-Embolado-Award, der nach 2007 um ein Haar erneut an die Luzerner Verkehrsbetriebe gegangen wäre – was für eine Leistung! Gibt’s 2009 noch immer keine Buslinie in den Sedel, hat die VBL diese unschmeichelhafte Auszeichnung nächstes Jahr wieder auf sicher. Dass es dieses Jahr knapp nicht reichte, lag einzig am Magazin Rockstar, das in Luzern nicht mehr viele Freunde zu haben scheint. Einen letzten Zacken Coolness bewahrend nahmen die Zürcher Macher die Trophäe immerhin persönlich entgegen.

Und es gab Live-Musik: Einen mitreissenden Auftritt von Copy & Paste (Bern) und Gekonntes von 7-Dollar-Taxi-Sänger Tizian von Arx aka One Lucky Sperm mit Ukululele (siehe auch hier). Joan Seiler (die Heidi Happy der Zukunft?) war erstmals mit Band zu hören und Emira & Emiro Brautkopf beglückten strapazierten nicht nur des Urs W. Studers Ohren (er machte zögerlich Anstalten sie zuzuhalten). Hiphopper Emm schliesslich brachte die Schüür zum Stehen. Was Moderator Dominic Deville zu einer Schimpftirade über die laschen Rocker veranlasste.

Sowieso war die Moderation zusammen mit David Roth äusserst unterhaltsam, Devilles Sprüche sassen und Roth mimte den Lehrling – ein herrliches Duo. Ebenfalls herrlich waren Felix Pfäfflis Animationen und die Dekoration (mit Elch!).

Ach ja: Geiler Als Du sind am besten angezogen und DJ Utzi hat die schönste «Wohnung» – aber das ist nun wirklich Nebensache.

 

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Kategorie: Musik, Nachtleben | Tags: , , , , , , , , , 15 Kommentare »

 

15 Kommentare zu “Arschkick-Nacht mit logischen Siegern”

  1. dani

    na ja…08 ist qualitativ wohl eher ein bescheidener jahrgang…für mich ist die luzerner musikszene vor allem: langweilig und selbstverliebt…

  2. tobi

    schöne gsi,heni!
    verdienter sieger!!

  3. Mario

    Heni hats verdient!! Ganz klar. Gratulation. Allerdings ist es einfach, sich von dem ansonsten eintönigen und langweiligen „Lozärner Chueche“ zu unterscheiden…

  4. nina

    die wahre siegerin des abends war die dekorationskünstlerin, der schüürraum sah selten so gut aus!

  5. kaixo

    fands lau und fad. einzige lichtblicke die animationen und deville

  6. Krampf

    Ich fands lahm, zu lang (bitte nur ein Stück pro Band! Homevideos max. vier Minuten! Übergänge üben!) und über weite Strecken zu doof. DeVille ging mir auf den Sack wie selten (dass er gar nicht wollte, sondern kurzfristig für den erkrankten Gössi eingesprungen ist, mag dazu beigetragen haben), die Stargäste gingen in der so anstrengenden wie angestrengten Moderation völlig unter. Ausnahmslos alle Gäste wurden auf unerträglich primitive Weise runtergemacht, ich habe mich schon beim Zusehen geschämt.
    Schade um den grossen Aufwand für die Gala.

  7. Deville

    Hallo Krampf,
    das tut mir leid dass der Abend für dich so beschämend und hart war. Anscheinend hat meine Moderation für Dich entscheidend dazu beigetragen. Nun, das ist Deine Meinung und daran gibts auch nichts zu rütteln. Leider kann sich 3fach (noch!!) keinen Sven Epiney oder einen flippigen Roman Kilchsberger leisten und muss daher mit einem Schuft wie mir vorlieb nehmen. Ich möchte jedoch betonen dass sich keiner der „Stargäste“ beleidigt gefühlt hat. Ich unterhalte mich immer mit allen meinen Gästen NACH den Shows und habe nur positive Rückmeldungen und sogar Lob bekommen. Egal ob dass Rockstar-Redakteure, eine „Sara machts“ oder wie letztes Jahr Beat Schlatter und Bligg war. Alle meinten einen sehr unterhaltsamen Abend mit einer eigenwilligen und mutigen Moderation erlebt zu haben. Du hast Dich also umsonst geschämt lieber Krampf. Wie war eigendlich die Swiss award-Show letzten Samstag im Fernsehen?
    P.S. In den anderen Punkten (Überlänge, weniger Acts..) gebe ich Dir übrigens recht. Aber 3fach macht das schon…ganz sicher…

  8. Krampf

    Lieber Deville

    Merci für deine Antwort.

    Lustige Schublade, in die du mich da steckst.
    Als ob ich mir tatsächlich die TV-Ärsche Epiney und Kilchsberger wünschte oder gewusst hätte, dass es so öppis wie Swiss Awards überhaupt gibt – geschweige denn mir irgendeine der Samstagabendkisten antäte.
    Nein, ich antworte mit Schiller: Ah, wenn der Geist Höslis doch noch in der Asche glimmte! Der hat Direktheit nicht mit Grobheit verwechselt, Kritik nicht mit Beleidigung und – vor allem – Unterhaltung nicht mit unüberlegter Selbstdarstellung.

    Ich kann dir gern einige der Kritikpunkte ausführen:

    – Du hattest mit Sara machts und der Erotiktante zum Beispiel zwei Gäste auf der Bühne, denen jegliche Erfahrung mit dieser Art Publikum und, im Fall der Tante, mit der Bühne überhaupt abgeht. Handkehrum kenne ich die beiden quasi nicht. Wäre es da für einen Moderator – und möge er auch derart ein „Schuft“ sein (eine etwas billige Ausrede für fehlende Vorbereitung) – die Aufgabe, einerseits diesen Gästen den Rücken zu stärken und sie andererseits mir, also dem Publikum, näher zu bringen? Ihr wart so laut – und die Fragen so dummdreist -, dass man zum Bleistift von der Tante gar nix mitbekommen hat. Verlegen stand sie da und hoffte, dass der Auftritt möglichst schnell vorbeiginge. Sara machts mit ihrer Bühnenerfahrung hats wenigstens probiert, aber auch sie wurde minutenlang übergangen und wunderte sich, was sie dort oben verloren hat – und ging dann halt einfach runter, ohne dass man sich die Mühe gemacht hätte, sie zu verabschieden und ihr noch einen Applaus zu holen.

    – Weshalb habt ihr die Gelegenheit nicht genutzt, dem Studer einige wirklich kritische Fragen auf den Pelz zu brennen? Hei, die Boa ist zu! Die Salle modulable wird immer stärker als Fait accompli dargestellt, obwohl sie uns mindestens 5 Mio. im Jahr kosten wird! Versammlungen ab 3 Jugendlichen sind eine terroristische Vereinigung!
    Material wäre genug da gewesen.

    – Dann haben die Frau Happy und der Herr Kunz (oder wars der Hinz?) live gekocht. Anstatt aber diese Leistung anzuerkennen und auf die Klimax, also das Testessen, hinzuarbeiten, habt ihr sofort davon getrötet, dass eure Krankenkasse allfällige Vergiftungen übernehme. Wow, eine nette Anerkennung für den freiwilligen Kocheinsatz! Selbstverständlich ging dann die eigentliche Bewertung völlig unter.

    – Ferner: David war ungemein nervös. Weshalb also hast du ihm nicht den Rücken gestärkt? Nein, unzählige Male wiesest du darauf hin, dass du sein Mentor seist und er dein Zögling. Was die absehbare Folge hatte, dass das knapp abgesprochene Konzept (er ist der Vorbereitete, Seriöse, du der laute, giftelnde, penetrante Advocatus diaboli – das hätte ja durchaus eine gewisse Spannung beinhalten können) nach wenigen Minuten scheiterte, weil David versuchte, sich deiner Grobheit anzupassen. Auch da, denke ich, hättest du mit deiner Erfahrung leicht Gegensteuer geben können – hat dich aber nicht interessiert.

    Es lastet viel auf dem/der/den ModeratorInnen eines solchen Anlasses: Man soll das Publikum durch den Abend leiten, soll ihm die Höhepunkte klar servieren, damit es weiss, wann es klatschen soll, ihm das Gefühl geben, an etwas Einzigartigem teilzunehmen; man soll die Gäste auf der Bühne willkommen heissen, ihnen die allfällige Scheu nehmen, den Rücken stärken – und sie bei Bedarf sachte zu den Fettnäpfchen führen, in die sie dann allzu gern treten und sich noch gut fühlen dabei; man muss wie der Sprechstallmeister im Zirkus dazu schauen, dass die nervösen Pferdchen und Tanzbären mit ihren Geigen und Gitarren tatsächlich galoppieren, wenn sie an der Reihe sind – empfangen und verabschiedet von tosendem Applaus.

    Wie ich schon schrieb, ist mir bekannt, dass du kurzfristig für Gössi eingesprungen bist, dass du gar nicht gewollt hast erst. Aber würde das schuftige Image nicht trotzdem eine leichte Differenziertheit vertragen, könnte der Vorschlaghammer nicht etwas weniger heftig geschwungen werden? Sich ein wenig mehr in die Situation der Gäste und die Bedürfnisse des Publikums versetzen, sich etwas weniger laut selber zelebrieren – der Anlass würde es danken. Weihnachtsauktion, Vinylmassaker etc. zeigen ja, wie schnell und ausbalanciert dein Witz sein kann.

    Mit bestem Gruss

    Krampf

  9. Deville

    Lieber Krampf (also langsm nimmts mich schon wunder wer Du wirklich bist…)
    Dass war mir jetzt aber echt nicht bewusst dass man bei einer Kick Ass Moderation sooooo genau hinhört wie Du das gemacht hast. Daher erst einmal danke und das meine ich ohne Zynik, für Deine Kritik. Ich denke jedoch trotzdem dass Du das Ganze ein bisschen zu Ernst siehst. Der Kick Ass Award lebt von seiner Improvisation und lebt davon nicht alles zu wichtig zu nehmen was da auf der Bühne geschieht. Es ist eine Persiflage auf all die unsäglichen Awardshows und Verleihungen weltweit. Natürlich könnte ich den Moderationshammer etwas dezenter schwingen. Aber nicht an einem Kick Ass Award von 3fach. Sorry. Da habe ich einen Ruf zu verlieren. Ich habe schon vor 10 Jahren im gleichnammigen Radio eine grosse Schnauze gehabt und genau deshalb holt man mich immer wieder auf die Bühne bei dieser Veranstaltung. Mit dem Stadtpräsidenten über Jugend und Kultur zu referieren ist nicht mein Ding. Da bin ich zuwenig politisch interessiert, versiert, informiert shame on me. Mit Hösli will ich nicht verglichen werden. Da vergleichst Du Äpfel mit Birnen. Ich fahre eine komplett andere Schiene als der Gute und genau deshalb sind wir im Team aufgetreten. Aber ich kenne auch viele denen Höslis Moderationen zu zahm und langweillig waren. Die Geschmäcker sind eben verschieden… Zu David: wie Du erkannt hast hatten wir keine Zeit um irgend ein Konzept zu erarbeiten und haben einfach gemacht. Vielen hats gefallen, einigen nicht. So ist das halt. Aus diesem Grunde war auch eine Vorbereitung auf die Stargäste für mich nicht möglich (ich habe 5 Stunden vor dem Event erfahren wer alles dabei ist….) Dein Argument der Selbstdarstellung kann ich auch nicht stehen lassen. Wie gesagt: Kick Ass Award. Persiflage. Selbstdarstellung ist Pflicht an diesem Abend. Alles andere ist unangebrachte Scheu. Wo ich Dir recht gebe ist der Punkt mit der Dame aus dem Montagsmagazin. Die wurde wirklich ein bisschen zur Schlachtbank geführt. hat mir nachher auch leid getan. Aber wie gesagt: Null Vorbereitungszeit. Oh Mann, ich könnte noch viel schreiben habe aber weder Zeit noch Lust dies hier zu tun. daher bitte ich Dich mich das nächste mal direkt anzusprechen wenn Du dich durch meine Performance in solcher Art und Heftigkeit gestört fühlst wie Du es in Deinem Post oben geschildert hast. Schulterklopfer habe ich genug und daher immer ein offenes Ohr für ehrliche Kritik.
    Bis dann

    Der Deville

  10. Krampf

    Läck, schnelle Antwort. Ah, die neuen Medien! Zu meiner Zeit war das noch ganz anders – ausser die Brieftauben seien schon lang nicht mehr gefüttert worden.
    Immerhin haben die neuen Medien einen grossen Vorzug: Man kann anonym durch die unendlichen Cyberprärien reiten.
    Doch genug der Hints.

    Vielleicht waren es die erwähnten Schulterklopfer, die mich zu der Heftigkeit meines ersten Items verführten. Und auch ich schätze dich als vielseitigen Performer zu sehr, als dass ich dir wirklich heftig auf die Zehen treten wollte. Meine Kritik zum Anlass habe ich vorgetragen; da ich damit offenbar allein auf weiter Grassteppe stehe und das Wohl der vielen die Anwesenheit des einen überwiegt, liegt die Lösung nah.

    Hösli habe ich, dies am Rande, nur erwähnt, weil er dir jeweils Gegenpol, Paroli hat bieten können. Dann hats funktioniert.

    Nun denn, lassen wir uns keine grauen Haare wachsen – so wir überhaupt noch welche haben. 😉

    Fare the well, pilgrim!

    Krampf

  11. Deville

    Eben…was machen wir eigendlich hier im Cyberspace, dem Medium der Pädophilen und Hässlichen? Treffen wir uns nächstes mal an der Theke zu einem Bier und klären dass anschliessend wie Männer: Draussen vor der Türe im blutigen Schnee!
    Ein Huzza vom Deville

  12. serge

    heissa, männer, das nenne ich einen schlagabtausch. ich würde sagen: unentschieden, gleichstand, beide kanditaten dürfen den ring erhobenen hauptes verlassen…

  13. Tom

    Ich tippe auf Sam Pirelli…
    „Läck“ und „Fait accompli“

  14. J.P Love

    Hab grad den Thread hier entdeckt, und möchte noch hinzufügen: DEVILLE MUSS ZURÜCK AN DEN KICKASS!! Die diesjärige Gala war fader als ein Naturejoghurt und brav wie eine Kinderkrippe. Da half auch Savenbergs Verkleidung und der Einsatz vom Segway nicht. Schade – ich fand die Awardverleihung – vor allem Dank der unterhaltsamen Moderation – immer ein Highlight. Dieses Jahr war es nur noch ein langweiliges Klassentreffen von Indierockern. Auf sowas kann ich verzichten. Schade.

  15. Henrik Belden – Live Musiker | Musik Schweiz

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