DAS IST KEINE MUSIK MEHR …

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… DAS IST EIN TRANSZENDENTALES ERLEBNIS! Nimm den besten Ohrgasmus den du je hattest, multiplizier ihn mit tausend, und du bist noch nicht mal nah dran. Jedes Wort, das über dieses Konzert geschrieben wird, ist eines zu viel. Dieses epochalpsychedelisch-elektroexperimentelle Hardcorepop-Spoken-Word-Ereignis spricht für sich selber. Trotzdem…

Pablo Haller über PHALL FATALE

Ort: Bar 59, Luzern.
Zeit: 21.30 Uhr.
Wetter: Unwichtig.
Stimmung: Zum Zerbersten.
Leute: Wo bleibt die Jugend, wenn endlich mal was Anständiges geboten wird in dieser Stadt?
Flirtfaktor: E.H. hat sich trotz Facebookbestätigung nicht manifestiert, was jammerschade ist und sich direkt negativ auf den FF auswirkt.
Zustand des Kritikers: Noch ein wenig erschöpft vom Wochenende…

Die Band ist runter von der Bühne. Zwei 45-Minuten-Sets sind gespielt. Das Publikum klatscht und klatscht und klatscht. Will nicht mehr aufhören zu applaudieren. Die Musiker entern abermals die Bühne. Eine weibliche Stimme: «Danke schön. Das nächst Lied ist ‹Desolation Row› von Bob Gott Dylan.» Frenetischer Beifall. «Endlich mal etwas, das man kennt.», brummelt jemand hinter meinem Rücken. Muss ein angegrauter Herr sein, die heute Abend im Publikum gut vertreten sind.

Eine Kulisse aus undefinierbaren, sperrigen Geräuschen wird aufgebaut, die nach gut anderthalb Minuten in einen flüssigen Beat überläuft. Jetzt die Stimme, diese unglaubliche Stimme.

Sie verkaufen Postkarten von den Hängungen
Sie maln die Pässe braun an
Die Bar 59 ist voller Freaks
PHALL FATALE sind in der Stadt
Da kommen die beiden Sängerinnen
Joana Aderi & Joy Frempong
Ihre Stimmen locken mich in Trance
Die eine Hand am Mic
Die andere am Mac
Und das Publikum ist ruhlos
Ab dieser rohen Energie
Der Damen Stimmen verblüffen weiter
Voll archaischer Magie
Fredy Studer, er scheint so leicht
Seinem Schlagzeug diese Töne zu entlocken
Fährt mit den Händen übers Leder
John Bonham Stufe mindestens
Daniel Sailer’s elektronischer Kontrabass, er ächzt auf

«YOU’LL GIVE BIRTH TO A BIRD
IT WILL FLY OUT OF YOUR MOUTH»

Und irgendwer sagt zu mir «Hey steh mal ein wenig zur Seite, Junge
Du verdeckt mir die Sicht.»
Und das einzige Geräusch, das übrig bleibt
Nach der ersten Halbzeit
Sind die Wehklagen von John Endwards‘ Bass
Voll archaischer Magie
Oh Sessa, meine Geliebte zwischen den Hügeln Malcantones
Bloss in deinem heiligen Schosse sollten solch erhabene Klänge
Ihre Geburt finden!
Jetzt flachen die Gespräche allmählich ab
Das Licht wird runter gedimmt
Die stimmenreichen Damen
Sind auf Fortsetzung getrimmt
Nun folgen auch Daniel und John
Und Fredy setzt sich hinter sein Schloss
Jeder macht Liebe mit seinem Instrument
Oder was er darunter versteht
Und sie verstehn sich gut drauf
Heute Abend in der Show
Zeigen sie wie man Musik spielt
Voll archaischer Magie
Jetzt steht William Blake am Fenster
Und träumt nen Engel her
Zu seinem zwei-und-zwanzigsten Geburtstag
Im Traumland Nimmermehr
Für Paul L. Dunbar ist heut ein grosser Tag
Er singt über das Leben der Farbigen
Und das Lied vom Grab
Mit jazzigem Beat vermählt die Band
Seine triste Poesie
Voll archaischer Magie
Ja, ich erhielt deine Texte gestern
(Und diese afrikanische Story)
Als ich mich fragte, wie wird meiner
Wie werd ich ihnen gerecht?
Ein Kritiker muss seine Grenzen akzeptieren
Ein Mann der Verse lamentieren
Sagte doch ein Weiser einst
Alle Kunst will Musik sein
So probier ich’s auf ne andre Weise
Schick meine Worte auf ne Reise
Sicher, vielleicht, sag niemals Nie!
Bis bald, schwebend in Klangmeeren
Raumfähren, Traumchimären
Voll archaischer Magie

Kategorie: Musik, Nachtleben | Tags: , , , , , , 4 Kommentare »

 

4 Kommentare zu “DAS IST KEINE MUSIK MEHR …”

  1. Pirelli

    Welch überbordende Begeisterung …!
    Aber läss wars tatsächlich. Man darf gespannt sein, wie sich Phall Fatale anhören, wenn sie tatsächlich zur Band zusammengewachsen sind – und den üblichen Projektstatus transzendentieren.

    Eine weitere Überraschung hielt der Abend bereit: Ich war schon länger nicht mehr an einem Konzert in der Bar 59, weils immer so beschissen klang. Reine Frontbeschallung funktioniert nicht in einem derart niederen Raum mit so vielen hallenden Flächen. Doch siehe da: neues PA! Boxen auch an den Säulen in der Mitte des Raums -> es klang saugut.

  2. jonas

    das sind ja mal gute news aus der bar 59… für mich war die akkustik tatsächlich auch ein grund, den konzerten dort öfters fernzubleiben. dann darf ich’s ja wieder mal wagen, merci!

  3. Filywilyindahouse — Kulturteil

    […] Gebiet. Bei der Arbeit am Debütalbum «Nassau Massage» stiessen die Sängerin Joy Frempong (OY, Phall Fatale etc …) und der Bassist Mago Flück dazu, die die Band fortan stark […]

  4. OUT NOW: PHALL FATALE | kuenschtli.ch

    […] "Das ist keine Musik mehr, das ist ein transzendentales Erlebnis!" KULTURTEIL.CH […]


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