Jim Morrison resurrected! – Bluesende Karnickel im Stadtkeller
Stiller Has are back in town! Für ihre traditionellen drei Gigs im Stadtkeller gegen Jahresende. Das Konzert übertraf hohe Erwartungen und zeigte: Der Hase ist nun definitiv beim Blues angekommen.
Von Pablo Haller
Eine unverkennbare Bassline scheppert. Orgel und Schlagwerk gesellen sich dazu. Frenetischer Appplaus. Endo Anaconda betritt die Bühne, klopft ein paar Sprüche, die nahtlos in den Text des ersten Songs «Aare» überfliessen. Hypnotisch, eingängig. Auf einmal fühlt man sich an die Doors erinnert, was nicht bloss an der markanten Orgel liegen kann. Es es sind auch die Ausstrahlung des Frontmanns, die Kraft der Gesamtband, die Schwere der Themen, die wie ausgezehrte Geier um Erotik und Abgründe kreisen. Die neue melancholische Ernsthaftigkeit, die sich beim Hasem seit seiner Verabschiedung von Balts Nill und der Kleinkunst eingenistet hat.
Die Setlist besteht vor allem aus Stoff der letzten beiden Alben «Geischterbahn» und «So verdorbe». Dazwischen schauen aber auch immer wieder alte Bekannte vorbei. Wie zum Beispiel Hene – der sein Dasein gut unterrichter Quellen zufolge mittlerweile als Abwart in `nem Swingerclub in Sardinien fristet – bei «Furt», oder ein Polo-Hofer-Text in der Country (!!!)-Version des Polo`s Schmetterding-Klassikers «Tschäggeti Chüe». In Fleisch und Blut allerdings erscheint der in Luzern momentan sehr präsente Kutti MC, um seinen CD-Part aus «König», der live meist von Salome Buser performt wird, höchstpersönlich zu übernehmen, plus einen fünfminütigen Freestyle mit der Band im Rücken zum Besten zu geben. Yo! Yo! Yo!
Während bei früheren Hasenauftritten eher Endo und das Wort eine zentrale Rolle einnahmen, ist in dieser Besetzung – ich wage zu behaupten der musikalisch Besten bisher – die Band der Star. Die Trommeln, die Pauken, die Bässe, Gitarren und Orgeln, die teils hauchenden, teils klagenden Background-Vocals von Schifer Schafer und Salome Buser tragen ebenso zur Gesamtstimmung bei, wie Endos geniale Texte und zynische Sprüche von Morgenmininaretten in der Hose oder Einsparungsplänen in der Berner Fürsorge mit Hilfe einer Lawinenverbauung mit Bären drin…
Die wahrscheinlich originellste Schweizer Band auf einem Schaffenshöhepunkt. Was will man mehr…? Hoffen wir, das sie – aber auch der Stadtkeller – uns noch lange erhalten bleibt. & jetzt alle: «chlyne tod nimm mi mit / ah biess mir is gnick …»
Heute (Samstagabend) findet noch ein weiteres Konzert statt, ist jedoch – wie die beiden Vorangegangenen – restlos ausverkauft!
Kategorie: !!!!!!, Musik | Tags: endo anaconda, markus fürst, salome buser, schifer schafer, stadtkeller, stiller has Ein Kommentar »

Beim freitäglichen Konzertbesuch ist es uns nach 20 Has-Jahren auch wie Schuppen von den Haaren gefallen, und der junge Rezensent bläst trefflich ins selbe Horn: Doors, Jim Morrison! Gut und nur richtig beobachtet. Und auch sonst: Obwohl aus Bern, dürfen Stiller Has – jetzt erst recht – als originellste CH-Band tituliert werden. Was das Songmaterial an und für sich betrifft wie freilich den performativen Bühnen-Prozess. Was das bündig Berichtete ausblendet: Das Publikum-Problem (tendenziell saturiert, ist halt nicht mehr Zwischenbühne oder Boa, wo der frühe Has einst von einer anderen Klientel gefeiert wurde). Was aber nicht der Band in die Schuhe geschoben werden kann. Wenigstens ignorierten Stiller Has konsequent und souverän die lauthals geäusserten Wunschprogramm-Lästigkeiten und verzichteten (durchaus leider) auf «Znüni näh».