Lovely Joan, Meter Maid
Die Pop-Polizei bittet um Aufmerksamkeit für die folgende Mitteilung: Joan Wasser, geboren 1970 in den USA, war am Sonntagabend in Kriens. Ähnlichkeiten mit Schauspielerin Angie Dickinson (aus der TV-Serie «Police Woman») nicht auszuschliessen. 140 Personen waren zugegen beim begeisternden Musikvortrag im Südpol.
Von unserem antarktischen Sonderkorrespondenten Urs Hangartner
Das Signalement: Kostümiert in silbrig glitzerndem Midi-Kleid, vorne geschlitzt, dazu assortierte, an Moonboots gemahnende Silberstiefelchen. Oben eine Art Löwenmähne (Tina Turner). Joan Wasser kommt von der Klassik her (Violine), wechselte dann in Bandzusammenhängen ins eher punkige Fach, um unter ihrem Nom de plume Joan As A Policewoman einem ureigenen «American Soul» zu frönen. Die Bio verzeichnet Kollaborationen mit Namen wie Antony Hegarty und Rufus Wainwright (der übrigens nach Konzertende in der Halle ertönt). Ja, und bis zu dessen tragischem Unfalltod war Joan die letzten beiden Jahre bis 1997 liiert mit dem unvergesslichen Jeff Buckley. Ihr eigenes Tun hat sie bisher auf zwei Alben demonstriert. Nun aber covert sie auch (auf – dritter – Platte, die bereits ausverkauft ist; man kann «Cover» nachbestellen/downloaden).
Die Musik also, das Konzert. Wenn sie auftritt, nennt sich die Künstlerin Joan As A Policewoman. (Bzw.: Die Band heisst eigentlich so – «Wir sind Joan As A Policewoman.») Live tut sie das bei ihrem aktuellen Cover-Programm zusammen mit Timo Ellis, der am Schlagzeug sitzen kann, Gitarre und Bass spielt, zweite Stimme singt oder auch die Bariton-Ukulele bedient.
Und dann das Tape. Zweimal lernen wir im Konzert, was das englische Wort heissen kann. «Band» nämlich, eines, das Joan sich von der Bühne herab wünscht, um die beiden unsteten Träger ihres Kleids zu fixieren (Isolierband). Und dann die Samples, die analogen. Wenn da jeweils Sounds mitlaufen, kommen sie aus einem Old-School-Tape-Deck, zu deutsch: aus einem Kassettentonbandgerät. Vielleicht vergleichend auf ihr leicht futuristisches Outfit anspielend, scherzte Joan dazu: «Besser als die Zukunft: Es ist Vergangenheit.»
Das Konzert-Repertoire ist ein munteres Originale-Raten. Joan ist natürlich fern davon, da irgendwelche treuen Versionen abzuspulen. Sie eignet sich das Fremdmaterial vielmehr an, verschleppt, verzögert, verziert, reduziert und intensiviert. Und: Welche Stimme! Und es reicht, von den «Samples» einmal abgesehen, wenig, um viel zu erreichen. Klavier/Drums, zwei Gitarren, Klavier/Bass. Ein Klavier/eine Stimme. Gegen Schluss schön anschaulich, wie bei ihr das Covern funktioniert: Von den noisigen Postrockern Sonic Youth kommt «Sacred Trickster» (geschrieben von Kim Gordon), nur gerade zu Handclapping, etwas Bassdrum und von Hand gespieltem Snare quasi-a-cappella gesungen. Am Anfang: «Das nächste Stück ist vom Album ‹The Idiot› von James Osterberg.» Aha. Es war «Baby» von Iggy Pop (der ja bürgerlich Osterberg heisst). Dazu gibts Sachen von Freddie Mercury und Public Enemy oder gar, man höre und staune, Britney Spears. Guten Grund hat sie: «Das Stück brachte mich zum Weinen, jetzt tut es dies nicht mehr: Ich singe es.»
So wird gecovert von der sympathisch auftretenden Vokalistin, dass es eine Freude ist. Nicht ohne dass in den Reigen von adaptierten Lieblingssongs eine paar brandneue eigene Nummern eingestreut werden. Während dieser Text geschrieben wurde, nicht ohne Verweise auf die Beatles und Leonard Cohen einzustreuen (wo?).
Kategorie: !!!!!, Bühne, Musik, Nachtleben | Tags: beatles, coehen, hau, joan as a policewoman, südpol 6 Kommentare »

Rita! – Aber den Cohen-Verweis zu finden, das ist mir wohl verwehrt. Mutmasse mal munter: Im hübschen Ausdruck “nom de plume”?… ohne enttäuscht zu sein, wenn das überhaupt nicht stimmen sollte. Oder schrieb der antarktische Korrespondent amänd diesen Text wie ein Vögelchen auf der Überlandstromleitung sitzend?
Ich vermute mal, die von Frau Oberin wohl richtig erahnte Anspielung (aka Verweis) ist nicht zuletzt daher dahingeschrieben worden, damit in völlig fremdem Zusammenhang doch wenigstens einmal der Name Beatles in diesem Blog überhaupt erscheint. Und Cohen? Das ist dann doch einfach: Siehe Track 6 auf seinem Album von 1988.
Ganze Sätze bitte, Genossin im Glauben! Es scheint angebracht, etwas Ordnung ins Kommentieren zu bringen. Nun denn: «Rita» wäre dann «Lovely Rita» (die «Meter Maid», also eine Art Polizeihostesse, die Parkuhren kontrolliert, grosszügig betrachtet eben eine Police Woman), dies wiederum der gleichnamige Song von Paul McCartney, wie er zwischen dem 23. Februar und dem 21. März 1967 aufgenommen wurde, um schliesslich auf dem Beatles-Album «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» an viertletzter Stelle zu erscheinen. Das ist nun auch schon mehr als 20 years ago. Im Jahr 2009 unerhört hörbar geworden im Rahmen der Digital Remasters. «Nothing can come between us.»
Father, ich bitte um Verzeihung, aber “Rita!” ist als Ausruf, als Anbetung, als Ausdruck leidenschaftlicher Liebe und halbzager Verzweiflung zu verstehen. Daher schien es mir erlaubt, auf das Bilden ganzer Sätze zu verzichten. – Es ärgert mich allerdings, dass ich den Zusammenhang zwischen Ritas Beruf und dem Joan Wassers Bandname zwar hätte wissen können, indessen vollkommen verpasst habe. Das ist clever ausbaldowert, Father! Und wenn in ebendiesem Zusammenhang – wie mir gerade aufgegangen ist – gar die Jazz Police angespielt und eingeführt wird, so wird, wenn das so weitergeht mit halbgeheimem Wissen und wabernden Verknüpfungen, beinahe ein Old Dan Brown’s Shoe daraus! – Ui, da habe ich mich wohl soeben ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt, merke ich gerade. Nichts für ungut, herzlich grüssend, Hans von Pechmann (Nachfolger vom bösen Herrn Senf).
Ja, da ist er wieder, der grosse Geheimweltenzusammenhang, der Paul McCartney am 16.8.77 als Elvis hat sterben lassen, womit niemand anderes als nämlicher Macca die Frisur von Stu Sutcliffe erfunden hat, der wiederum bei seinem ersten Besuch in Hamburg waseliwas nicht beachtet hat?? Exakt, jenen Parkingmeter, dessen Ignorierung folglich die allererste Meter Maid der Popgeschichte und viele schlechte Beatlessongs auf den Plan gerufen hat. Und nur nebenbei: Dass es Leonard Cohen war, der Jeff Buckley in einem Anfall von karmischer Zerrüttung im Missisiippi ertränkte, weiss ja jedes Kind.
Ja was schreiben die da (keine ganzen Sätze)? Sind das Ü 40? Beatles, Cohen, Mississippi, Hamburg – und das alles wegen Kriens. Aus meiner Praxis weiss ich ich nur eines bestimmt, um mit dem ollen Cohen zu sprechen: There ain’t no cure for love.* Jawas! (*wobei das Kanadischmännische «for» im Deutschen ja angeblich das Gegenteil meint, also «gegen») Viele Yeah-Yeah-Yeahs an alle.