Südpol reloaded
Gestern lud der Verein Südpol zu einer offenen Gesprächsrunde an die Arsenalstrasse 28 in Kriens ein. In einem beschaulichen Rahmen wurde nochmals diskutiert, kritisiert, verteidigt und eingestanden. Benji Gross (Failed Teachers) führte ein aufmerksames Publikum mit klaren Fragen und Meinungen durch den Abend. Wer aber genau alles die Einladung zu dieser inoffiziellen Gesprächsrunde erhalten hat, blieb unklar.
Von Nina Laky
Zum ersten Mal stand ich gestern in den Räumlichenkeiten des Kulturbetriebs SÜDPOL. Ein guter Abend um sich einmal umzusehen und zuzuhören. Der Südpol rief nämlich die Luzerner Kulturschaffenden zu einer offenen Gesprächsrunde auf. Doch wer genau sollte denn mitreden zum Thema «Welche Erwartungen hat die Luzerner Musikszene an das neue Kulturzentrum?»? Eingeladen waren wohl alle, doch auf der Homepage des Hauses stand nichts zu diesem Anlass, und das Luzerner Treibhaus bekam anscheinend auch keine Einladung.
So oder so fanden sich doch genügend Menschen ein, um die Debatte pünktlich um 19.30 Uhr starten und um 21Uhr enden zu lassen. Im Publikum sassen neben Rosie Bitterli, der Kulturchefin Stadt Luzern auch VertreterInnen des B-Sides-Festivals, des Radio 3FACHs und der Präsident des Sedels, Adi Albisser, sowie weitere InteressentInnen aus dem Kulturbereich. Ingesamt geschätzte 40 Personen richteten ihre Fragen an Urban Frye, den Präsidenten des Verein Südpols, an Geschäftsleiter Philippe Bischof und an Oliver Frey, Vertreter der Stadt Luzern. Marco Liembd nahm als weiterer Vertreter in diesen Reihen ebenfalls Platz. Er vertrat kritisch und an vorderster Front die Luzerner Musikszene, nach eigenen Ausagen darum, weil sich sonst niemand nach vorn traute oder wollte.
Der Abend war ein klägliches Eingeständnis von Südpol-Seite. Nachdem man zu Anfängen noch über das Budget 09 streitete und ob es jetzt aufgehe oder nicht, widmete man sich endlich dem, was wirklich interessierte: das Musikprogramm. Seit November hat der Südpol keine ausreichende technische Austattung. Man eröffnet ein Kultur- und Konzerthaus ohne Beschallungsanlage? Der erste grosse Witz, der fatale Folgen hatte. Technik musste zugemietet werden und drückte auf die musikalischen Möglichkeiten, auf den Eintrittspreis und schliesslich aufs Budget. Nebst, oder gerade wegen dem, vergass man schlichtweg lokale Acts von Anfang an einzubinden. Die Musikabteilung unter Christoph Linder und Eva Heller sowie die Geschäftsleitung Philippe Bischof indes geloben Besserung. Das PA sei bestellt und soll kommen. In den Wonnemonaten bis zum Sommer veranstalte der Südpol zudem so viele Konzerte wie noch nie.
Das Durchschnittsalter in der Südpol-Bar und die Anzahl Personen bestätigten meine Meinung, dass es auf der einen Seite – auf einer wichtigen und jungen Seite – nicht mehr viel zu diskutieren gibt. Das Interesse an langen Debatten nach einem halben Jahr Südpol ist niedrig und schlussendlich kam nicht viel mehr raus als:
- der Südpol sucht mehr Vereinsmitglieder, wer will der kann.
- der Südpol will den Vorstand verjüngen.
- der Südpol meint, das Budget 09 werde ausreichen (Marco Liembd sieht im diesem Bereich jedoch schwarz).
- der Südpol kann nun vermehrt Konzerte veranstalten.
- das Publikum von gestern wünscht sich mehr lokale Musikveranstaltungen.
- das Publikum wünscht sich aber auch mehr internationale Musikveranstaltungen.
- das Publikum fordert unbedingt mehr Transparenz in Bezug auf Veranstaltungskonditionen.
- Die Stadt Luzern hat zu dem Ganzen leider wenig gesagt – verständlich und ein wenig peinlich.
Dann gab Urban Frye nach langem Drumrumreden auch zu, dass er den Kontakt zur Luzerner Musikszene verloren hat. Man sei nun dran, den Vorstand zu verjüngen. Dass ein Kulturbetrieb nicht von Personen geführt werden kann, die a) selten im Haus sind und b) jeglichen Bezug zu Luzern verloren haben oder nie hatten, war Vielen schon im Vorhinein klar. Wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass viele keinen grossen Sinn mehr darin sehen, über oder mit dem Südpol zu diskutieren. Soweit ich mich umgehört habe, gibt es sogar nicht wenige Leute, denen es schnurzpiepegal wäre, wenn der Südpol demnächst den Bach runtergeht. Schadenfreude inklusive. Auf der anderen Seite stehen aber auch die, welche probieren wollen aus dieser Situation nun das Beste zu machen. Man wird sehen, inwiefern die gestrigen Versprechen auf Interesse und Erfolg stossen werden.
Den Abend in Tönen als Podcast nachhören? Ab heute Abend kein Problem: www.3fach.ch
Oder heute live auf 97.7FM in der Stooszyt ab 17Uhr.
Kategorie: !!, Musik, Politik, Wort | Tags: südpol, urban frye 11 Kommentare »

die luzerner musikszene hat noch noch begriffen, dass der südpol keinen auftrag hat, die luzerner musikszene explizit zu fördern oder miteinzubeziehen. einen solchen auftrag hat bspw. das treibhaus, meines wissens auch der sedel und die schüür. also, hört auf zu jammern, das ist nur peinlich und leiden auf luxus-niveau. in der boa spielten früher übrigens auch nicht regelmässig luzerner bands. und wirklich aktiv miteinbezogen wurden sie schon gar nicht. wenn marco liembd zudem fordert, die südpol-leute sollten sich mehr im nachtleben luzerns zeigen, damit sie die leute besser kennenlernen, ist das einfach nur naiv. der erste schritt liegt ganz klar bei den musikern und veranstaltern.
Schön, das man so schnell erfährt, was wo diskutiert wurde. Ohne überall dabei sein zu müssen. Eine gute Sache, dieses Kulturteil!
[...] Bericht zum Mysterium auf Kulturteil + Podcast auf [...]
Grandios Text! Im Ton neutral, in der Analyse hart, aber ehrlich. Der sollte eigentlich auch noch im Kulturmagazin abgedruckt werden.
es steht irgendwie nicht so viel im text, finde ich. ausserdem: in einem jahr gehen EH alle in den suedpol, als ob die was gewesen wäre. das ganze theater ist fuer nichts. auch die, die jetzt reklamieren, werden schlussendlich hingehen, da bin ich ueberzeugt davon. und: neutral ist dieser text nicht. das finde sogar ich, und ich bin gar kein fan von diesem suedpol.
“in einem jahr gehen EH alle in den suedpol, als ob die was gewesen wäre. das ganze theater ist fuer nichts.”
Ich denke nicht dass das ganze Theater für nichts ist. Natürlich gehe ich in den Südpol (wenn mal ein gute Veranstaltung ist), aber ich denke auch, dass Teile der alternativen Kultur in Luzern noch eine Lösung für sich finden werden, welche sich in den starren Management-Strukturen des Südpol nicht wohl fühlen.
mal schauen.
kleine grundsätzliche anmerkung am rande: die texte auf kulturteil sollen nicht neutral sein, da dies ein meinungsblog ist (man beachte das Urteil im Kulturteil). und wenn das treibhaus, das für mich im windschatten aller aktuellen diskussionen die besten konzerte in luzern veranstaltet, tatsächlich nicht zu einer solchen diskussion eingeladen wird, find ich das schon bemerkenswert. verein verjüngen wär sicher gut und wichtig. und ja, das südpol-konzertprogramm wird ja auch immer besser, sollte noch gesagt sein.
was genau ist das problem wenn das treibhaus nicht eingeladen wurde???? ich check`s nicht…
1. weil dort vielleicht genau jene jungen leute sind, die es braucht/die der verein südpol evtl. zur verjüngung will. 2. weil das treibhaus fest in der lokalen (musik-)szene verankert ist. wer darüber diskutieren will, kommt wohl nicht um sie herum.
eine offene gesprächsrunde, bei der die vertreter von kulturhäusern, sprich deren veranstalter/leiter nicht eingeladen wurden, ist doch ein wenig schwach. da gehört das treibhaus ja wohl dazu….
Es ist schlichtweg inkonsequent. Und als Anwesende/r hat man dann auch nicht ganz verstanden, um was es ging. Sucht man Beistand bzw.Hilfe bei den Leuten, mit denen man eh schon zusammenarbeitet? Das Ganze hätte schlussendlich einfach nicht den Titel “offene Gesprächsrunde” tragen dürfen, weil das war es ja ganz klar nicht. Solche Veranstaltungen kommen einem dann halt eher merkwürdig als wirkungsvoll vor.