Tanzkonzert mit gemixten Medien

Marygold go Tanztheater. Die durch einen Werkbeitrag von Stadt und Kanton Luzern möglich gemachte Produktion «I have to stay to see how the story ends» lässt zwei von den Indietronicern für einmal in einem ungewohnten Rahmen erleben. In einem spannenden und anregenden Mixed-Media-Projekt, das die Sinne fordert, aber auch beeindruckt.

Von Urs Hangartner

Man lasse sich vom etwas kopfig-schwurbelig ausgefallenen Vorschautext nicht beirren. Und auch nicht irritieren von einer etwaigen Erwartung, dass da – zwar nicht in einer «linearen» Umsetzung – Heinrich Bölls Roman «Ansichten eines Clowns» (1963) als inhaltliche Inspiration hergehalten habe. Man lasse sich vielmehr und vor allem ein auf einen Fluss der Eindrücke, welche die Mixed-Media-Produktion «I have to stay to see how the story ends» sehr wohl zulässt. In der Tat treten da die verschiedenen Medien (oder Ausdrucksformen) in Aktion, miteinander, nebeneinander, gegeneinander, je nachdem. Wahrnehmungsaufmerksamkeiten werden da gefordert, wenn es gilt, die einander mitunter «konkurrenzierenden» Medien für sich zu kanalisieren

Das Setting: Hinten die riesige Videowand, auf der die Protagonisten in aufgezeichneten Einspielungen vorerst lautlos in Erscheinung treten. Später kann es geschehen, dass live Bühnengeschehen projiziert wird oder soeben Gefilmtes wieder auftaucht. Dominant im sonst kargen Bühnenbild (2 Stühle) steht ein vorne offener Lattenquader, worin sich Marygold alias Philipe Burrell und Patrick Zosso mit ihren Instrumenten und elektronischen Geräten eingerichtet haben, um Musik zu machen (und zu singen).

Es sind zu hören: Soundscapes, wo es flirrt und sirrt, mit wabernden und pulsierenden Klängen, dann auch die eigentlichen Songs des neuen Albums, das es auch zu kaufen gibt (nur nicht auf CD). Das Musikbühnenhäuschen ist ambulant und kann also im Raum bewegt werden. Es ist bekletterbar, und auch der auf dem Häuschendach stehende Kleiderrollständer wird eine Funktion erhalten, wenn all die schwarz Gekleideten in einem englischen Redeschwall zu mehr Individualität aufgefordert werden und sich einem heiteren Kostümierungsreigen hingeben. Ausbruch aus dem Gewohnten, Neue-Rolle-Finden, Änderung der eigenen Lebenssituation können als inhaltliche Stichworte gelten.

Und man wird Burrell und Zosso auch, welch Überraschung, tanzen sehen können. Den professionellen Tanz (Choreografie: Fang Yun Lo) übernehmen Mu-Yi Kuo, I-Fen Lin und Vincent Bozek, während Videoartistin Michelle Ettlin an Steuer-Laptop und Kamera rechter Hand ebenfalls im Bühnenraum sichtbar hantiert.

Als «Tanzkonzert» ist alles angekündigt, was nicht etwa heisst, dass da im herkömmlichen Sinn Tanzmusik gemacht würde für ein Publikum. Es ist Tanztheater mit berückender Live-Musik. Ob man draus- und nachkommt? Die Frage bleibt offen, das vorliegende Resultat aber ungemein eindrucksvoll.

Bis Mittwoch, 26.5., Südpol, jeweils 20.00

Donnerstag, 27.5., Chäslager, Stans, 20.00

Album (Vinyl, USB-Stick, Download): «I have to stay to see how the story ends» (Echopark Music)

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5 Kommentare zu “Tanzkonzert mit gemixten Medien”

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