Viel Lärm um die Butterzentrale – Motion eingereicht
Vor drei Jahren, im April 08, erschien im Kulturmagazin der Artikel «Die Ruhe ums Treibhaus könnte bald ein Ende haben». Leider ist das Thema wieder brandaktuell: Emmi baut in der ehemaligen Butterzentrale teure Wohnungen, die Kulturorte Treibhaus und Theaterpavillon einen Steinwurf entfernt befürchten die Wiederholung des Boa-Szenarios, also Lärmklagen und eine Schliessung. Damals wie heute sagen Stadt und Emmi: Das Nebeneinander von Kultur und Wohnen ist möglich. Zweifel sind angebracht. Nun haben innert Wochenfrist 1320 LuzernerInnen die Volksmotion «Kein zweites Boa-Debakel» unterschrieben, sie wurde bei der Stadtkanzlei deponiert.
Am 13. April begann die Unterschriftensammlung, eine Woche später wurde die Volksmotion «Kein zweites Boa-Debakel» mit 1320 Namen der Luzerner Stadtkanzlei übergeben. Das Begehren wirbt für die langfristige Erhaltung des Sport-, Jugend- und Kulturlebens im Tribschen. Die Mitglieder des Motionskomitees sprechen von einem Riesenerfolg, überrascht war davon jedoch niemand. Reto Ambauen, Präsident des Vereins VorAlpentheater und Erstunterzeichner der Motion: «Die Erhaltung von Räumen für Jugendliche, Sport und Kultur ist für viele Menschen in der Stadt Luzern ein wichtiges Anliegen.»
Anlass für die Volksmotion ist eine Baueingabe für das Areal der ehemaligen Butterzentrale im Luzerner Tribschenquartier. Auf dem Grundstück soll neben Geschäftshäusern auch ein Wohnanteil für rund 100 Wohnungen bewilligt werden. Diese würden nur gerade 12 Meter vom Fussballplatz des FC Kickers, 40 Meter vom Theater Pavillon und 60 Meter vom Jugendhaus Treibhaus entfernt gebaut. Das Motionskomitee warnt davor, dass Beschwerden wegen Ruhestörungen programmiert sind. Ambauen: «Es ist nicht eine Frage ob, sondern nur wann wir die ersten Beschwerden erhalten.» Das Komitee befürchtet, diese Beschwerden würden zu Auflagen und Betriebsbeschränkungen für die Kulturhäuser führen und mittelfristig deren Existenz gefährden.»
Die Volksmotion beauftragt den Grossen Stadtrat von Luzern, die Reduktion des Wohnanteils zu prüfen, so dass in unmittelbarer Nachbarschaft der drei bestehenden Betriebe keine Wohnungen gebaut werden. Weiter schlägt die Motion vor, in einem Planungsbericht festzustellen, wie die Stadt dem Nutzungskonflikt begegnen will.
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Volksmotion: Kein zweites Boa-Debakel durch die Wohnüberbauung bei der ehemaligen Butterzentrale (hier downloaden)
Originaltext des Motionskomitees: «Auf dem Areal der ehemaligen Butterzentrale im Tribschenquartier sollen in unmittelbarer Nähe zum Fussballplatz des FC Kickers, zum Theater Pavillon Luzern und zum Luzerner Jugendkulturhaus Treibhaus Wohnungen gebaut werden. Die Konflikte wegen Lärmemissionen mit den zukünftigen Anwohnern sind vorprogrammiert. Die selbe Problematik hat zur Schliessung des Kulturzentrums Boa geführt.
Wir wehren uns nicht gegen den Hauptsitz der Emmi und die ca. 80 Wohnungen zur Seeseite, aber wir wehren uns gegen die geplanten rund 20 Wohnungen im Wohnblock C in 12 Meter Distanz zum Fussballplatz des FC Kickers, 40 Meter Distanz zum Theater Pavillon Luzern und 50 Meter Distanz zum Jugendhaus Treibhaus.
Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift mit, den blühenden Sport- und Kulturbetrieb am Spelteriniweg zu erhalten und zu schützen (weitere Infos zuunterst).»
So gehen Sie vor:
– Drucken Sie nur die erste Seite der Volksmotion aus, unterschreiben Sie: Wichtig: Handschriftliche vollständige Angaben! Und falls sie mögen: Sammeln Sie weitere Unterschriften!
– Das Wichtigste: Senden Sie das Formular bis Mittwoch, 20. April ganz oder auch nur teilweise ausgefüllt an: Theater Pavillon Luzern, Spelteriniweg 6, 6005 Luzern
Unterzeichnen können nur Stimmberechtigte mit Wohnsitz in der Stadt Luzern
Einreichung der Volksmotion: Donnerstag, 21. April, 16.30 Uhr, Haupteingang Stadthaus, Hirschengraben 17
Bei folgenden Kulturorganisationen liegen die Motionsformulare ab Mittwoch, 13. April zur Unterschrift auf:
– Kultur-Forum, Bruchstrasse 53, MO bis DO, 13 bis 17 Uhr; FR geschlossen
– Kleintheater am Bundesplatz, Kasse MO bis SA, 15 bis 19 Uhr
– Südpol, Bistroöffnungszeiten (MO-FR 11-15 Uhr) und bei Veranstaltungen (www.sudpol.ch) an der Bar
– Jugendhaus Treibhaus am Spelteriniweg
– Theater Pavillon Luzern, Milchkasten
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– Bilder Abriss/Umbau Butterzentrale (Von Stefan Huber)
– Informationsblatt Theaterpavillon/Volksmotion: Kaum eröffnet, schon gefährdet
— Artikel Kulturmagazin April 2008 «Die Ruhe ums Treibhaus könnte bald ein Ende haben.»
— Beitrag auf Radio 3FACH
— Beitrag Schweiz Aktuell/Schweizer Fernsehen
— Kulturflaneur: «Kulturpolitisches Déjà-vu»
— Informationsmaterial: www.theaterpavillon.ch
Kategorie: Nachtleben | Tags: butterzentrale, emmi, theaterpavillon, treibhaus 3 Kommentare »

Ja, klar, das Nebeneinander ist möglich. Die Reichen im Zentrum und die Kultur nebenan – einfach etwas weiter weg, frühestens im Krienser Industriegebiet.
Ich wundere mich schon, dass die heute Jungen sich nicht endlich auf die Hinterbeine stellen, wie wir es in den Achtzigern taten.
Wahrscheinlich tun sies nicht, weils keine iPhone App gibt dafür.
Zum Glück geht Bieder!
Dass das Nebeneinander gut möglich ist, sieht man auch schon an den Ausführungen der Emmi-Dame im Fernsehbeitrag: Die Kulturbetriebe müssen ihr Publikum halt nur für die Anliegen der Anwohner sensibilisieren. Das ist doch genau das was wir brauchen: Eine dergestalt auf jedes noch kleines Lärmchen sensibilisierte Stadtbevölkerung. Bieder, treten Sie zurück! Ach, das sind Sie ja schon. Danke.
Ich habe auch unterschrieben. Ich wohne jetzt an der Weinberglistrasse und es ist 2 Uhr morgens. Der Krach (die Musik, nicht die Besucher) vom Treibhaus ist deutlich hörbar und ich wünsche mir, ich hätte nicht unterschrieben. Bis zum Treibhaus bin ich runtergelaufen auf der Suche nach dem Haus, in welchem der lärmige Nachbar haust. Mit Verwunderung hab ich zur Kenntnis genommen, dass hier so etwas um diese Uhrzeit möglich ist. Anklopfen und um Ruhe bitten ist in diesem Falle wohl leider nicht möglich. Zu Ungunsten der Schwächeren ist ein Universalgesetz, vor welchem die hehre Kultur halt auch nicht gefeit ist.