Unvergängliche Sezierungen der Gesellschaft

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Dantons Tod Drama von Georg Büchner LUZERNER THEATER Premiere: 13. Februar 2016 PRODUKTIONSTEAM Andreas Herrmann Inszenierung Max Wehberg Bühne Catherine Voeffray Kostüme Erik Altorfer Dramaturgie BESETZUNG Christian Baus Georg Danton, Judith Cuénod Lacroix, Jörg Dathe Eine Frau/Marion, Julia Doege Robespierre, Hans-Caspar Gattiker Philippeau, Wiebke Kayser St. Just/Julie, Lilli Lorenz Legendre/Lucile, Bettina Riebesel Ein Mann/Thomas Payne, David Michael Werner Camille DesmoulinsLuzerner Theater, 13.02.2016: Büchner zum Dritten – zumindest unter Regisseur Andreas Herrmann. Nach «Woyzeck» und «Leonce und Lena» findet nun das wohl anspruchsvollste Drama des literarischen Hünen, «Dantons Tod», den Weg auf die Luzerner Theaterbühne. Die zweieinhalbstündige Inszenierung erfordert vollkommene Geistesanwesenheit. Andernfalls droht Schlummergefahr.

Von Dominika Jarotta, Fotos: Toni Suter (Luzerner Theater)

Wir drehen uns im Kreis. Wie sonst lässt sich die Brisanz von Georg Büchners Werk, das 1835 verfasst wurde, erklären? Parallelen zum Arabischen Frühling finden sich unter anderem im Programmheft (das übrigens äusserst lesenswert ist). Revolutionen folgen auf Revolutionen. Jeder Umschwung definiert die Bedingungen der jeweiligen Zeit neu und schafft somit wieder Raum für weitere Subversionen. «Wir haben nicht die Revolution, sondern die Revolution hat uns gemacht.», legt Danton im 2. Akt dar. Die Entwicklungen bestimmen das Handeln, und so weiter, und so fort. Daraus ergibt sich eine Zeitlosigkeit des Revolutionsprinzips, weshalb Büchners Aufgriff der Französischen Revolution im 19. Jahrhundert ebenso den Nerv der Zeit traf, wie es «Dantons Tod» heute tut.

Der drehende Kreis bildet an diesem Abend nicht nur die metaphorische Umrahmung, sondern ist gleichsam auch zentral für das Bühnenbild – eine sich um die eigene Achse drehende Halbkugel. Halt zu finden auf dieser gelingt den Protagonisten nur selten. Sie stolpern, rutschen herunter, zerschlagen sich an ihr und werden zuletzt von ihr verschluckt. Dantons Äusserung, «Die Revolution ist wie Saturn, sie frißt ihre eignen Kinder», passt hier wie die Faust aufs Auge. Auch in technischer Hinsicht beeindruckt diese Bühneninstallation, die im späteren Verlauf sogar schwebend fungiert.

Dantons Tod Drama von Georg Büchner LUZERNER THEATER Premiere: 13. Februar 2016 PRODUKTIONSTEAM Andreas Herrmann Inszenierung Max Wehberg Bühne Catherine Voeffray Kostüme Erik Altorfer Dramaturgie BESETZUNG Christian Baus Georg Danton, Judith Cuénod Lacroix, Jörg Dathe Eine Frau/Marion, Julia Doege Robespierre, Hans-Caspar Gattiker Philippeau, Wiebke Kayser St. Just/Julie, Lilli Lorenz Legendre/Lucile, Bettina Riebesel Ein Mann/Thomas Payne, David Michael Werner Camille Desmoulins

Die Handlung selbst ist relativ stringent: Danton und seine Anhänger und Robespierre und die Gruppe der Jakobiner sind sich über den Verlauf der Revolution, die sie gemeinsam in Gang gesetzt haben, uneinig. Dies führt soweit, dass Robespierre einen manipulierten Justizmord gegen die Dantonisten einfädelt. Komplexer wird es bei den jeweiligen sprachlichen Abhandlungen, die sich in den unzähligen verstrickten Dialogen äussern und zeitweise das Gefühl vermitteln, in einer Philosophievorlesung zu sitzen. Dies ist keineswegs uninteressant, dennoch fühlen sich die zweieinhalb Stunden länger an, als sie es schon sind. Abhilfe schaffen da zeitweilig die vereinzelten Lachinseln, die durch die beiden töricht schwatzenden Bürger geschaffen werden, ebenso wie die hervorragend dargebotene, radikale Rede von Saint-Just im 2. Akt.

Dantons Tod Drama von Georg Büchner LUZERNER THEATER Premiere: 13. Februar 2016 PRODUKTIONSTEAM Andreas Herrmann Inszenierung Max Wehberg Bühne Catherine Voeffray Kostüme Erik Altorfer Dramaturgie BESETZUNG Christian Baus Georg Danton, Judith Cuénod Lacroix, Jörg Dathe Eine Frau/Marion, Julia Doege Robespierre, Hans-Caspar Gattiker Philippeau, Wiebke Kayser St. Just/Julie, Lilli Lorenz Legendre/Lucile, Bettina Riebesel Ein Mann/Thomas Payne, David Michael Werner Camille Desmoulins

Ein ausgelassener Theaterabend mag anders aussehen. Nicht weil die Inszenierung an sich misslungen wäre, sondern weil der Stoff schlicht und einfach sehr anspruchsvoll ist. Lässt man sich jedoch mit einem wachen Geist auf das Stück ein, kann Büchners gesellschaftliche Sezierung, zusammen mit Herrmanns mondäner Inszenierung (beispielsweise werden männliche Figuren von Frauen dargestellt und vice versa), äusserst bereichernd wirken. Das vorherige Konsultieren des Programmheftes ist dabei sicherlich keine schlechte Idee.

Christian Baus Georg Danton, Judith Cuénod Lacroix, Jörg Dathe Herrmann/Marion/Eine Frau, Julia Doege Robespierre, Hans-Caspar Gattiker Philippeau, Wiebke Kayser St. Just/Julie, Lilli Lorenz Legendre/Lucile, Bettina Riebesel Thomas Payne/Ein Mann, David Michael Werner Camille Desmoulins

Das Stück läuft noch bis am 9. April 2016.

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